GHS Kirschhecke in Odenkirchen Mönchengladbach


Eine besondere Gemeinschaft - Die BuS-Klasse

Mein Studium der Sozialarbeit/Sozialpädagogik beinhaltet ein Praxissemester, das ich in einer so genannten BuS-Klasse absolviere. Ich entschied mich damit für den Aufgabenbereich Schulsozialarbeit, dies u.a. deshalb, weil meine persönlichen Erinnerungen an die eigene Schulzeit recht positiv sind und kein Unbehagen auslösen. Zu Beginn meines Praktikums schwirrte mir nur die Bezeichnung BuS-Klasse durch den Kopf ohne zu wissen, wofür die drei Buchstaben stehen und worauf ich mich einließ. Ein erster Gedanke war: „BUS-Klasse – Sind die etwa den ganzen Tag unterwegs?“ Nach einigen Gesprächen lüftete sich das „Geheimnis“ und der Begriff wurde fassbar. Bei der BuS-Klasse handelt es sich um ein Projekt der Landesregierung NRW, an dem sich im Schuljahr 2003/04 insgesamt 150 Hauptschulen, 45 Gesamtschulen und 40 Sonderschulen beteiligten.

Das Kürzel „BuS“ steht für Betrieb und Schule. Die SchülerInnen dieser Klasse drücken nicht von Montag bis Freitag die Schulbank, sondern besuchen dreimal wöchentlich die Schule und arbeiten an den verbleibenden zwei Tagen in einem Praktikumsbetrieb. Mein Eindruck ist, dass den Jugendlichen gerade das Praktikum besonders gut tut. Bei den SchülerInnen handelt es sich um benachteiligte Jugendliche, im Alter von 15 bis 16 Jahren, die im letzten Pflichtschuljahr sind. Zum Teil sind sie aufgrund des mehrmaligen Besuchs ein­zelner Schuljahre erst in der 7. Klasse und hätten deshalb kaum Aussichten auf einen Ausbildungsplatz. Aus diesem Grund wurde die BuS-Initiative gestartet. Sie soll dazu beitragen, auch diesen Jugendlichen einen möglichst nahtlosen Übergang von der Schule in die Berufswelt zu ermöglichen. Die SchülerInnen besitzen eine reale Chance auf Beschäftigung, denn sie können sich in ausgewählten Praktikumsbetrieben bewähren und haben zudem die Möglichkeit den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 zu erhalten. Die mit dem BuS-Projekt verknüpfte direkte Hilfe für sonst fast chancenlose Jugendliche finde ich faszinierend. Ich fühle geradezu herausgefordert in „meiner“ BuS-Klasse, einem Kooperationsprojekt der Gemeinschaftshauptschule Kirschhecke und der Förderschule Wiedemannstraße, engagiert mitzuwirken.

Einige SchülerInnen wissen sehr genau in welchen Bereich sie ihr Praktikum absolvieren möchten und besorgen sich selbstständig die passenden Stellen. Manche von ihnen beginnen freiwillig das Praktikum bereits vor Schuljahresbeginn. Andere Jugendliche wiederum sind sich über ihren Praktikumswunsch unschlüssig. In diesen Fällen wird gemeinsam mit dem Schüler/der Schülerin und einem der beiden Klassenlehrer überlegt, welches Berufsfeld am ehesten den Fähigkeiten und Vorstellungen entspricht. Bei der Suche geeigneter Praktikumsstellen helfen wir dann, indem wir Adressen und Tipps weitergeben. Natürlich kommt es auch vor, dass die eine oder andere Stelle nicht den Vorstellungen entspricht.

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Im Moment absolviert meine BuS-Klasse u.a. Praktika in den Bereichen Kfz-Werkstätten, Altenpflege, Großküche, Tiefbau, Maler und Lackierer-Handwerk. Im Allgemeinen erlebe ich die Betreuung der SchülerInnen als sehr intensiv. Sie haben zwei engagierte Klassenlehrer, die immer mit Rat und Tat zur Seite stehen, sei es bei schulischen Problemen, bei Schwierigkeiten im Praktikum oder bei familiären Nöten.

Mit der Betreuung ist sehr viel sozialpädagogisches Tun verbunden. Es beginnt bei der Findung geeigneter Praktikumsstellen, beinhaltet Coaching (z.B. bei der Beantragung des Schokotickets) und endet bei intensiver Krisenintervention auf den unterschiedlichsten Ebenen.

Der Unterricht orientiert sich an der Lebensumwelt der Jugendlichen. Hierbei werden immer wieder Bezüge zu den Praktikumsstellen hergestellt. So wird z.B. ein Motorkolben „unter die Lupe genommen“ oder ein für die Bewerbung eingeforderter Lebenslauf auf dem Computer erstellt. Auch Hauswirtschaft steht auf dem Lehrplan. Bei den allgemeinen schulischen Fächern wie Mathematik kommt auch die Bruchrechnung dran, da in vielen Rezepten Mengenangaben in Brüchen angegeben sind. Ebenso wird die Rechtschreibung für das spätere Führen von Berichtsheften trainiert. Weitere Unterrichtsfächer sind u.a. Geometrie, Englisch, Arbeitslehre, Biologie, Informatik, Geschichte/Politik. Zudem gibt es noch einen wichtigen Bereich, nämlich die „Sozialstunde“. Sie dient zur Besprechung von Praktikumserfahrungen und garantiert den intensiven Austausch in der Gruppe.

Neben der Schule und dem Praktikum bereichern Exkursionen und Lernortverlagerungen den BuS-Alltag. Sie erhöhen die Motivation, vermitteln Spaß und stärken die Gemeinschaft. Ende November 2004 sind wir zur Jugendmesse re:spect nach Duisburg gefahren. Der Stoff für viele neue Anekdoten ist damit gesichert.

Manuela Böhmer

Weitere Informationen über das Projekt „BuS – Betrieb und Schule“ sind auf der Internetseite www.lern-line.nrw.de/angebote/bus/ zu finden.